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Chandler Bing

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04.09.2010, 18:35

Vogelspinnen - Lebensweise und Wissenswertes

Baumbewohner:

Einige Baumbewohner fangen von klein auf an, sich in Bodennähe ein Gespinst zu erstellen und dieses später dann in beide Richtungen, soll heißen in den Boden als auch in die Höhe auszudehnen. Viele Psalmopoeus-Arten machen das, aber auch einige Poecilotherias. Avicularia-Arten und auch z.B. die Psalmopoeus pulcher hingegen, bauen sich recht ansehnliche Wohnröhren und manchmal auch regelrechte Wohnröhrensysteme zwischen geeigneten Ästen.

Baumbewohner benötigen je nach Größe ein in die Höhe gehendes Terrarium, z.B. 30 x. 30 x 40. Wichtig ist dabei eine hochgestellte Korkröhre und einige Äste, da sich die meisten Arten dort einnisten und schöne Gespinste bauen. Der Bodengrund bei Baumbewohnern kann aus Blumen- oder Terrarienerde bestehen und muß je nach Art mehr oder weniger feucht gehalten werden. Ein- bis zweimal wöchentlich ein paar Tropfen ins Gespinst sprühen, dann ist eigentlich kein Wassernapf nötig.

Baumbewohner sind sehr hübsch anzusehen, sind aber dafür bekannt daß sie sehr gerne die Scheiben vollkoten.

Bodenbewohner:

Zum Anderen gibt es dann noch die bodenbewohnenden Arten, die auf dem Boden, bzw. sich im Boden ihre Wohnhöhlen graben. Viele Arten besetzen vorgegrabene Höhlen und bauen diese gegebenenfalls weiter aus oder richten sich unter einer Korkrinde ein. In der Natur sollen sie häufig die Behausungen von Kleinsäugern besetzen. Wenn die klimatischen und futtertechnischen Bedingungen stimmen kann ein Tier schon mal sein ganzes Leben in ein und derselben Wohnröhre bleiben.
Zu den Bodenbewohnern zählen z.B. Gattungen wie Brachypelma, Lasiodora oder Grammostola-Arten.

Das Terrarium für Bodenbewohner sollte für adulte Tiere - je nach Art - mindestens 30 x 30 x 30 sein und kann relativ spartanisch ausgestattet werden, da viele Arten ihr Heim nach eigenen Wünschen sowieso "umdekorieren". In der Regel reichen ein oder zwei Korkrindenstücke und ein Wassernapf, der immer gefüllt sein sollte. Als Bodengrund nimmt man am besten lehmhaltige Erde aus dem Wald, diese hat die richtige Festigkeit, ist aber noch schön grabfähig. Es geht aber auch z.B. Blumenerde, vermischt mit Lehmpulver. Immer schön hoch auffüllen, damit die Spinne ihrem Trieb zum graben problemlos nachkommen kann.
Je nach Art muß der Boden trocken, feucht oder halb trocken, halb feucht gehalten werden. Letztlich entscheidet die Spinne selbst wie sie es am liebsten mag, hier muß man einfach anfangs ausprobieren und wird dann schnell den richtigen Weg finden. Eine Spinne die die Wände hochgeht ist meist nicht zufrieden mit dem angebotenen Bodengrund.

Röhrenbewohner:

Als dritte Kategorie gibt es dann noch die Röhrenbewohner, wobei diese vermehrt in Asien oder Afrika vorkommen. Diese Tiere leben in tiefen Wohnhöhlen, die zumeist senkrecht in den Erdboden verlaufen und in einer bestimmten Tiefe dann in eine Richtung abknicken. Einige Arten richten sich dann auch eine Art Wohnhöhle am Ende der Röhre ein.
Zu den Erdbewohnern gehören Arten wie Hysterocrates oder Haplopelma. Viele Arten würden wohl meterlange Gänge graben wenn man ihnen den Platz geben würde.
Um diese Arten artgerecht zu halten sollte man ihnen Spezailterrarien für Erdbewohner anbieten, in die man viel Erde einfüllen kann. Auch wenn man sein Tier dann kaum zu sehen bekommt, so wird es sich definitiv wohler fühlen und sich arttypisch verhalten.

Am besten eigenen sich hierfür sogenannte Haplo-Tanks, die relativ schmal aber dafür hoch sind und von oben belüftet werden und geöffnet werden können. Zusätzlich haben sie noch in Bodennähe einige
Bewässerungslöcher. Vor dem Einsetzen der Spinne wird der Tank komplett in Wasser getaucht und so schön bewässert. Das überschüssige Wasser läuft durch die Bewässerungslöcher wieder ab. Die Erde im Tank bleibt schön feucht, sollte aber nicht klatschnaß sein. Alle halbe Jahre sollte man dieses Bewässern wiederholen, wobei die Spinne dabei im Tank bleiben kann und wenn man es richtig macht auch keinen Schaden erleidet.

Der Bodengrund, der natürlich vor dem Bewässern mindestens 25 cm hoch eingefüllt wurde, kann aus Blumenerde vermischt mit Lehmpulver bestehen. Der von der Spinne gebaute Gang bleibt schön stabil damit und hat sich bei meiner Haplopelma longipes bewährt. Eine vorgestochene Röhre nimmt die Spinne in der Regel gerne an und wird sich schon bald bis auf den Boden durchgraben.


Daß Spinnen nicht nur langweilig sind und nur immer in einer Ecke herumsitzen kann ich Euch gerne belegen. Dazu müßt Ihr aber auf meine Homepage gehen, dort sind die unterschiedlichen Aktivitäten von Vogelspinnen anhand von vielen Bildern dokumentiert: Klick hier


Aggressivität:

Dazu kann ich nur sagen, daß mir dieser Ausdruck gar nicht gefällt. Für mich gibt es eher defensive und offensive Arten, wobei sich eine defensive Art auch ganz schnell mal in die Offensive gehen kann und umgekehrt. So ist es durchaus möglich daß z.B. die allgemein - in meinen Augen fälschlicherweise - als friedlich geltende Grammostola rosea teilweise zu hoher "Aggressivität" neigt, wie das z.B. bei meiner Mabel der Fall ist. Diese greift schonmal ohne Vorwarnung und blitzschnell den Wasserstrahl beim Pflanzen giessen an. Und wehe, da ist dann die Hand in der Nähe...
Meine Pterinochilus murinus - eine als äußerst offensive, "sehr agressiv" geltende Art, zieht sich bei Störung erstmal sofort in ihren Bau zurück. Mag daran liegen, daß sie ein großzügiges Terrarium mit ausreichend Rückzugmöglichkeiten hat.
So würde ich sagen man kann das nicht verallgemeinern - jedes einzelne Tier hat seine eigene Persönlichkeit.

Wichtig ist daß man nie außer Acht läßt, daß es sich bei Vogelspinnen um wilde Tiere handelt, denen man den nötigen Respekt entgegenbringen muß. Vorsicht ist immer geboten, ein leichtsinniges Hantieren im Terrarium kann auch bewirken, daß man schnell seine ach so friedliche Brachypelma smithi "an der Hand hat". So bin ich mir ziemlich sicher, daß mehr Menschen von "friedlichen" Spinnen gebissen werden als von "aggressiven", da sie einfach zu leichtsinnig mit ihnen umgehen.

Zum Schluß noch etwas über die Giftigkeit von Vogelspinnen:

Das Toxin der Vogelspinnen ist in der Regel nicht in der Lage, einen Menschen ernsthaft zu gefährden oder gar so töten, dennoch müssen einige nötige Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um nicht gebissen zu werden. Allein die Länge der Giftklauen, Schmidt gibt sie bei 12,6 mm für Theraphosa blondi an, können auch erhebliche Verletzungen zufügen.

Die Giftwirkung auf den Menschen ist je nach Art wirkungslos, manchmal sehr schmerzhaft, auch Beschwerden wie Fieber, Krämpfe und Nekrosen sind aufgetreten (z.B. Gattung Peocilotheria).
Schwerwiegende gesundheitliche Schäden oder gar Todesfälle durch Vogelspinnen sind nicht bekannt. Die Biss fast aller Vogelspinnenarten ist für den Menschen nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich. Allerdings kann es bei Menschen, die allergisch auf Insektengifte reagieren, zu ernsthaften Schädigungen kommen oder sogar zum Tod führen.
Spinnen der Gattungen Poecilotheria, Selenocosmia und zum Beispiel auch Pterinochilus scheinen ein eindeutig potenteres Gift zu besitzen. Bei Bissen durch die aggressive Spinne Poecilotheria fasciata kommt es auch bei nicht allergischen Menschen zu Bewegungseinschränkungen nahe der Bißstelle, starken Schwellungen, Krämpfen sowie ziehenden starken Schmerzen in den Gliedern. Solche Spinnen wären rein rechnerisch auch in der Lage, bis zu 60 Mäuse ~ 1000 g Lebend Gewicht zu töten.

Chemische Zusammensetzung:

Das Gift der Vogelspinnen enthält vier verschiedene Proteinfraktionen, sehr viel freie Glutaminsäure sowie freie Gamma-Aminobuttersäure. Ein Großteil der Gifte weist zudem 30%-40% stark basische Bestandteile auf ( z.B. Verbindungen des Spermins und Trimethylendiamins mit p-Hydroxyphenylbrenztraubensäure und anderen Säuren des Tyrosinabbaus).
Signatur von »Chandler Bing« spinnerte Grüße aus Bayern

Finn


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